Ukraine. 2022. Das Jahr, in dem Bomben wieder europäische Städte zerfetzt haben, in dem Panzer über Nachbars Garten gerollt sind, in dem Freiheit zur Frage von Leben und Tod wurde. Drei Jahre später kämpft dieses Land immer noch. Nicht für Prestige, nicht aus Nostalgie – sondern ums nackte Überleben. Und wir? Wir schauen zu. Wir wackeln mit dem Kopf. Wir warten.
Während anderswo über Eskalationsrisiken diskutiert wurde, haben Ukrainer ihre Autos vollgetankt und sind damit an die Front gefahren. Während bei uns Talkshows ihre 17. „Wie weit dürfen wir gehen?“-Runde drehten, haben Ukrainer Drohnen gebaut, nachts Sirenen ignoriert, am Tag Krankenhäuser aus Trümmern gezogen. Und das nicht, weil sie Helden sein wollten – sondern weil es keiner sonst tut.
Josh Rudolph hat’s deutlich gesagt: Geschichte folgt einem brutalen Rhythmus. Alle 80, 85 Jahre kommt das große Beben. Revolution. Bürgerkrieg. Weltkrieg. Ein Zyklus, älter als unsere Demokratien. Jetzt sind wir wieder da. Der Countdown läuft. Die Welt formiert sich neu – Achse gegen Freiheit. Und wir tun so, als hätten wir noch Zeit.
Früher war es Pearl Harbor. Heute ist es Butscha. Damals schickten die USA nach dem Angriff Millionen Soldaten in den Krieg. Heute zögert dieselbe westliche Welt, ein paar Panzer mehr zu liefern. Und während die einen gestorben sind, um Europa zu befreien, erklären die anderen heute, warum „Verhandlungen“ mit Putin der vernünftigere Weg seien.
Das ist nicht Vernunft. Das ist feige.
Die Ukraine hat keine Zeit für Zögerlichkeit. Sie hat keine Zeit für Angsthasenpolitik und keine Geduld für historische Ausreden. Die Ukraine lebt jetzt den Albtraum, vor dem wir so gerne die Augen verschließen. Und das, was sie uns zeigt, ist nicht einfach nur Mut – es ist ein Spiegel. Ein verdammt schmerzhaft ehrlicher Spiegel für all jene, die geglaubt haben, Freiheit gäbe es zum Nulltarif.
Denn sie haben’s getan. Sie haben ihre Komfortzone gegen Schützengräben getauscht. Sie haben sich entschieden. Für Land. Für Freiheit. Für Prinzipien. Und wir? Wir entscheiden uns für Gaspreise, für Koalitionsräson, für Bequemlichkeit.
Das ist der Test. Nicht für die Ukraine. Für uns.
Denn dieser Krieg ist nicht vorbei. Er wird größer. Er wird härter. Er wird näher kommen. Und wer heute sagt „wir wollen keinen Weltkrieg“, kriegt morgen einen – aber unvorbereitet.
Und dann ist niemand mehr da, der für uns kämpft.
Die Ukrainer haben längst verstanden, worum es geht. Sie kämpfen nicht nur für ihr Land. Sie kämpfen für die Idee von Freiheit, für das, was wir mal verteidigt haben – bevor wir angefangen haben, es zu relativieren.
Was ist unser Beitrag? Was tun wir, außer abwarten, abwiegeln, ablenken?
Der Moment kommt, in dem wir uns entscheiden müssen. Nicht moralisch. Sondern real. Kampf oder Kapitulation. Und wer dann noch laviert, hat schon verloren.
Die Ukrainer haben ihre Antwort längst gegeben.
Unsere Zeit läuft.