Stell dir vor: Du lebst seit Generationen in einem Land, das dir einst Sicherheit versprach. Deine Vorfahren kamen im 18. Jahrhundert auf Einladung der Zarin Katharina II. an die Wolga – Deutsche, die das Land urbar machten, Dörfer bauten, ihre Sprache pflegten, ihre Religion lebten. Zwei Jahrhunderte lang. Und dann – von einem Tag auf den anderen – wirst du zum „Volksfeind“ erklärt, enteignet, deportiert, ausgelöscht. Ohne Urteil, ohne Verbrechen. Einfach, weil du der falschen Ethnie angehörst.
So begann 1941 der stille Genozid an den Wolgadeutschen.
Auf Befehl Stalins wurden innerhalb von zwei Monaten über 367.000 Männer, Frauen und Kinder aus ihrer Heimat vertrieben – nach Sibirien, Kasachstan, in die Zwangsarbeitslager der sogenannten „Trudarmee“. Dort starben Zehntausende. Nicht an Krieg, sondern an Hunger, Kälte, Krankheit, Ausbeutung. Ihre Sprache wurde verboten. Ihre Schulen geschlossen. Ihre Religion unterdrückt. Ihre Autonomie abgeschafft. Ihre Existenz: ausgelöscht. Bis heute hat Russland dieses Verbrechen nicht als solches anerkannt.
Ethnische Säuberung mit System
Es war keine Reaktion auf Hitler. Es war eine geplante ethnische Säuberung – wie bei vielen anderen Völkern, die der Sowjetunion „im Weg“ waren: Krimtataren, Tschetschenen, Inguschen, Balkaren, Koreaner, Ukrainer. Die Logik war immer gleich: Deportation, Zwangsarbeit, Umerziehung, und dann – Neu-Besiedlung durch Russen.
Auf die Ruinen der Deportierten zogen die „richtigen“ Menschen ein – loyal, russisch, systemtreu.
Das war kein Einzelfall. Es war Strategie. Die Gebiete der Wolgadeutschen wurden mit Russen aus Tambow, Saratow und Woronesch „aufgefüllt“. Die Krim mit Soldaten und Beamten aus Zentralrussland. Die Westukraine mit Parteikadern und NKW-Spezialisten. Wer ging, ging für immer. Wer kam, sollte bleiben – als neues, loyales Fundament eines sowjetischen, später russischen Imperiums.
Die Logik lebt weiter
Und jetzt kommt der Punkt, der wehtut: Diese imperiale Logik hat sich nie geändert.
Nicht 1991, nicht 2000, nicht 2022. Der russische Staat operiert auch heute noch nach dem selben Muster wie damals:
Einschüchtern. Vertreiben. Umsiedeln. Russifizieren.
Wer sich widersetzt, verschwindet. Wer loyal ist, wird angesiedelt. In Mariupol. In Melitopol. In der Ostukraine. In der Südukraine. In der Ukraine überhaupt.
Und der Westen? Redet von Diplomatie. Vom Dialog. Von Russland „mitnehmen“. Als hätte man es mit einem rationalen Akteur zu tun – und nicht mit einem historischen Täterstaat, der seit über 100 Jahren ganze Völker vernichtet, weil sie nicht in seinen imperialen Raster passen.
Ein Muster, kein Zufall
Wolgadeutsche. Krimtataren. Tschetschenen. Letten. Esten. Litauer. Ukrainer.
All diese Völker wurden systematisch entrechtet, vertrieben, getötet.
Und immer zog ein anderer nach – aus Brjansk, aus Omsk, aus Kursk.
Deshalb ist es keine russische Tragödie. Es ist eine imperiale Erfolgsgeschichte.
Für Russland. Auf Kosten aller anderen.
Keine Verhandlungen mit einem Täterstaat
Und deshalb ist es auch keine Option, „mit Russland zu reden“.
Denn Russland redet nicht. Russland verschleppt, vergewaltigt, deportiert.
Wenn du mit Russland redest, während es Lager baut, wirst du Teil des Systems.
Und wenn du glaubst, Russland habe sich 2025 verändert, obwohl es noch nicht mal 1941 aufgearbeitet hat – dann hast du die Rechnung ohne das Imperium gemacht.
Mit einem bewaffneten Vergewaltiger verhandelt man nicht. Man entwaffnet ihn. Man stoppt ihn.
Denn wenn du es nicht tust, wird er auch in deinem Land auftauchen. Und dann schreien:
„Hier ist unsere Rodina.“