Was für ein Paukenschlag: Am 31. März 2025 verurteilt ein französisches Gericht Marine Le Pen – und zwar richtig. Vier Jahre Haft, davon zwei Jahre unter elektronischer Fußfessel in Freiheit, die anderen zwei auf Bewährung, 100.000 Euro Strafe und fünf Jahre Berufsverbot, sprich: Kandidaturverbot. Und das alles wegen Betrug mit EU-Geldern – konkret: Scheinjobs im EU-Parlament. Jahrelang hat sie ihre Helferlein auf Brüsseler Kosten durchgefüttert, ohne dass die auch nur einen Stift angerührt hätten. Jetzt ist der Drops gelutscht.
Und ja, sie will Berufung einlegen. Aber – und das ist der Knackpunkt – das Urteil gilt sofort. Selbst wenn ein höheres Gericht sie irgendwann freisprechen sollte: Für den Wahlkampf 2027 ist sie faktisch raus. Die Chancen auf ein Comeback? Minimal. Politisch gesehen: verbrannte Erde.
Was bleibt von Le Pen?
Eine in Schande abtretende Parteichefin – und ein Nachfolger, der sich schon lange warmgelaufen hat: Jordan Bardella. Der designierte Kronprinz, früher mal mit Le Pens Nichte liiert (natürlich war die Presse begeistert: „Traumschwiegersohn!“), jetzt offiziell das neue Gesicht der „Rassemblement National“ (RN).
Und der Junge hat’s eilig. Kaum ist Le Pen weg vom Fenster, geht Bardella auf Kuschelkurs mit der Mitte, wirft mit Ukraine-freundlichen Zitaten um sich und versucht, das alte Russland-Image der Partei abzustreifen wie ein schmutziges Hemd. In Interviews klingt das dann so: „Wir waren naiv gegenüber Putins Ambitionen. Heute begeht er Kriegsverbrechen.“ Oder in seinem Buch von 2024: „Putin will Grenzen neu ziehen für ein mythisches ‚russisches Reich auf Bajonetten‘.“
Ui. Da reibt man sich die Augen. Das ist nicht mehr die Partei, die 2022 noch von russischen Banken finanziert wurde und Putin als „Verteidiger europäischer Werte“ lobte.
Aber Moment – ist das echt, oder nur Show?
Denn während Bardella sich medial von Moskau distanziert, bleibt er politisch auffällig vorsichtig. Langstreckenraketen für die Ukraine? Auf keinen Fall. Französische Militärausbilder? Niemals. Angriffe auf russisches Territorium? Absolutes No-Go. Und als Macron ukrainische Mirage-Kampfjets liefern wollte, war Bardella ganz vorne dabei: „Das ist gefährlich! Macron instrumentalisiert den Krieg für Wahlkampfzwecke!“ Stattdessen fordert er: Verhandlungen. Und zwar jetzt. Nicht, weil er plötzlich Friedensbewegung entdeckt hat – sondern weil er keine Verantwortung übernehmen will, wenn’s ernst wird.
Seine rote Linie? Nichts, was Putin ernsthaft stören könnte.
Dass das Ganze nicht ganz zufällig kommt, zeigt auch sein engster Vertrauter: Pierre-Romain Thionnet, Chef der RN-Jugend und plötzlich Lautsprecher für NATO, Ukraine und „wehrhafte Demokratien“. Der Typ klingt fast wie ein FDP-Außenpolitiker auf Speed: NATO geil, Putin böse, Geschichte wird vom Kreml gefälscht. Und ja, Thionnet wurde sofort in die Parteikommission für Außenpolitik katapultiert – ein radikaler Umbau, wie manche Medien schreiben: „Entkremlinisierung“ der Partei.
Aber ist das wirklich glaubwürdig?
Schaut man genauer hin, bleibt von der angeblichen Kurskorrektur verdammt wenig übrig:
- Die RN-Abgeordneten im EU-Parlament stimmen weiter gegen fast alle Pro-Ukraine-Resolutionen.
- In der Partei sitzen noch immer reihenweise Putin-Fans – und schämen sich nicht mal dafür.
- Die Parteibasis jubelt Bardellas „Kurs der Vernunft“ – weil sie genau weiß: Das ist die gleiche Scheiße, nur mit anderem Etikett.
Und wenn’s wirklich drauf ankommt, knickt Bardella ein: 2025 sagt er eine Teilnahme an der ultrarechten CPAC in den USA ab – weil Steve Bannon auf der Bühne einen Nazi-Gruß andeutet. Klingt erstmal vernünftig. Aber was passiert dann? Bannon nennt ihn einen „kleinen Jungen, schlimmer als Macron“ – und Bardella kriegt kalte Füße. Statt klar Kante zu zeigen, duckt er sich weg.
Fazit?
Jordan Bardella ist keine neue Hoffnung, sondern ein PR-Projekt mit gutem Timing. Le Pen ist abgestürzt, also braucht man ein neues Gesicht. Eines, das smart daherkommt, sich vom russischen Dreck zu distanzieren versucht – aber im Kern dieselbe Agenda fährt: Gegen Macron, gegen Brüssel, gegen Migration, gegen alles, was modern klingt. Und für Putin? Na ja, nicht mehr offen – aber auch nicht wirklich dagegen.
Oder wie Le Monde schreibt: Die neuen Töne sind kosmetisch, nicht substanziell.
Bardella ist kein Bruch mit der Vergangenheit – er ist die polierte Fortsetzung.
Manche feiern Le Pens Verurteilung als Ende der extremen Rechten in Frankreich. Das ist naiv. Wenn Bardella wirklich ins Amt kommt, kriegen wir vielleicht keine Selfies mehr mit Putin – aber dafür eine Politik, die genauso gefährlich ist. Nur halt in hübscherem Anzug.
Le Pen ist gefallen. Aber Bardella steht schon bereit – als Le Pen 2.0. Mit besserem Haargel, aber derselben Agenda.