Russlands Rückfall ins Rassenrecht: Jetzt auch mit DNA-Test

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Deutschland, 1935: Die Nürnberger Gesetze treten in Kraft.
Russland, 2025: Die Duma berät über ein Gesetz, das ethnische Zugehörigkeit per Gentest bestimmen soll.

Was dazwischen lag, war Aufklärung, Menschenrechte, Antidiskriminierung, „Nie wieder“. Russland hat davon nichts mitgenommen. Im Gegenteil: Moskau führt gerade einen Staat ins 21. Jahrhundert, der seine Bevölkerung nicht mehr nach Gesetzen, sondern nach Genen sortiert.

Was steht drin im Gesetzesentwurf?

Am 25. März 2025 hat der russische Duma-Abgeordnete Konstantin Satulin einen Gesetzentwurf eingebracht, der den Namen „Repatriierungsgesetz“ trägt. Der harmlos klingt. Und genau deswegen so gefährlich ist.

Denn im Kern steht da Folgendes:

  • Menschen sollen nach Russland „zurückkehren“ dürfen, wenn sie genetisch zu den „indigenen Völkern Russlands“ gehören.
  • Es ist ausdrücklich vorgesehen, DNA-Tests zur Bestimmung der ethnischen Zugehörigkeit einzusetzen.
  • Wer also keinen russischen Pass hat, aber „russisches Blut“, kriegt leichter Staatsbürgerschaft.
  • Wer russisch spricht, dort aufgewachsen ist, aber „falsche“ DNA hat – kriegt nix.
  • Die Liste der „anerkannten Ethnien“ wird von der russischen Regierung bestimmt. Wer drin ist, gehört dazu. Wer nicht, fliegt raus.

Das ist kein Verwaltungsakt. Das ist staatlich organisierte Rassenselektion.

Biologie statt Verfassung

Was Satulin da vorschlägt, ist kein Einzelfall, kein Ausrutscher, keine unglückliche Formulierung. Es ist die Einführung eines biopolitischen Staatsmodells, in dem ethnische Reinheit über Zugehörigkeit entscheidet. Wo nicht dein Wille zählt, sondern deine Blutlinie. Wo ein Gentest dein politisches Schicksal bestimmt.

Der Staatsbürger wird zum Zuchtprodukt. Der Migrationsprozess zum Laborverfahren. Willkommen im Russischen Gen-Reich.

Ein historisch bewährter Irrweg

Die Blaupause für diesen Irrsinn liegt offen da: Deutschland, 1935. Die Nürnberger Rassengesetze legten fest, wer als „arisch“ galt – und wer nicht. Damals wurde über Geburtsregister und Ariernachweise selektiert. Heute nimmt man halt DNA-Kits.

Das Prinzip ist identisch:

  • Staatsbürgerrechte nur für „biologisch Zugehörige“
  • Listen angeblich „indigener“ oder „reiner“ Ethnien
  • Ausschluss durch Abstammung, nicht durch Verhalten
  • Undurchsichtige Kriterien, die politische Willkür ermöglichen

Im Dritten Reich begann es mit Gesetzen. Es endete mit Vernichtung. In Russland beginnt es wieder mit Gesetzen. Und keiner weiß, wo es endet.

Die große Lüge vom „russischen Weltbild“

Seit Jahren verkauft der Kreml die Idee eines „russischen Kulturraums“, offen für alle, die russisch sprechen, russisch fühlen und „traditionelle Werte“ leben. Ein ethnopluralistisches Märchen, das auch in der deutschen Rechten gern aufgegriffen wird.

Jetzt zeigt sich: Das war gelogen. Denn russisch fühlen reicht nicht mehr. Jetzt braucht’s auch einen Gen-Nachweis.

Du bist ethnisch Tadschike, aber russisch sozialisiert? Pech.
Du bist jüdisch-russischer Herkunft? Frag besser nicht.
Du bist ethnisch Ukrainer, aber russlandtreu? Zu schlecht positioniert.

Die neue Linie lautet: Russisch ist, wer genetisch passt.

Das AfD-Prinzip – konsequent umgesetzt

Wer jetzt denkt: „Ach, so krass ist das doch gar nicht“, möge sich bitte erinnern, was gewisse deutsche Parteien unter dem Begriff Remigration verstehen. Der Unterschied zur AfD? Russland macht’s einfach. Ohne PR-Berater, ohne Tarnkappe.

Der Gen-Test ist die neue Grenzkontrolle.
Der ethnische Passierschein ersetzt den Integrationskurs.
Die völkische Liste wird zur politischen Waffe.

Wer sind hier eigentlich die Nazis?

Moskau spricht seit Jahren von „Entnazifizierung“. Angeblich in der Ukraine. Angeblich im Westen. Angeblich überall.

Aber wer jetzt ganz offen ein Gesetz einführt, das ethnische Zugehörigkeit über genetische Kriterien definiert, der verabschiedet sich vollständig vom modernen Staatsbegriff – und kehrt zurück zu einem biologistischen Rassenstaat. Mit Reagenzglas, staatlich geförderter Diskriminierung und politischer Willkür.

Das ist nicht bloß rassistisch.
Das ist nicht bloß unmenschlich.
Das ist strukturell nationalsozialistisch.

Und wer das nicht erkennt, will es nicht erkennen.

Fazit: Russland 2025 – ein Staat nach Blutgruppen

Was Satulin da entworfen hat, ist ein Angriff auf die Idee der offenen Gesellschaft. Ein Angriff auf gleiche Rechte. Ein Angriff auf jede Form von Inklusion, Zugehörigkeit und frei gewählter Identität.

Das ist nicht die Rückkehr der Sowjetunion.
Das ist die Rückkehr des Reichs.

Nur diesmal auf Russisch. Und mit DNA-Probe.


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